LiipConf 22: Mut zu mehr Einsatz für Nachhaltigkeit

  • David Jeanmonod

Nachhaltigkeit ist in unserer Natur und wir setzen uns aktiv dafĂŒr ein. An unserer Jahreskonferenz haben wir unsere Rolle neu gedacht und wagen einen nĂ€chsten Schritt.

Das Thema Klimawandel wird oft unter dem Blickwinkel individueller und politischer Massnahmen betrachtet. Dennoch mĂŒssen auch Unternehmen – unabhĂ€ngig von ihrem TĂ€tigkeitsfeld und ihrer Grösse – Verantwortung ĂŒbernehmen. Es passte daher gut, dass unsere Konferenz unter dem Motto «Nachhaltigkeit und Mut» stand. Die diesjĂ€hrige Ausgabe hatte unter anderem zum Ziel, einen gemeinsamen Informationsstand zum Thema Umwelt zu schaffen, uns gegenseitig zu inspirieren, um anschliessend aktiv zu werden. Nichts weniger als das! Zu diesem Zweck haben wir externe Referent*innen eingeladen, um das abzurunden.

Umweltexpert*innen gehen das Problem in seinem ganzen Ausmass an

Professor Andreas Fischlin an der ETH Zürich, und Mitglied des Weltklimarats IPCC, beehrte uns mit einer Keynote zum Klimanotstand. Es ist zwar keine neue Erkenntnis, aber – es brennt. In seinem etwa 40-minĂŒtigen Beitrag zum Thema Klimatologie erhielten wir einen umfassenden Überblick ĂŒber die aktuellen und kĂŒnftigen Auswirkungen der ErderwĂ€rmung. Offensichtlich ein wenig erfreulicher Befund, der aber trotzdem mit einer optimistischen Note endete. Es gibt Lösungen, aber wir mĂŒssen unverzĂŒglich handeln. Der Biologe und ausgebildete Computerwissenschaftler betonte auch die Bedeutung der Digitalisierung. Wir mĂŒssen den ĂŒbermĂ€ssigen Energieverbrauch im Zusammenhang mit der Internetnutzung vermeiden, auf nachhaltige Web-Entwicklung setzen und grüne Energie für unsere Server verwenden. Ein weiterer Nutzen der Digitalisierung: digitale Lösungen, die die Energiewende fördern. Auf diesem Gebiet engagieren wir uns bereits, möchten aber noch mehr tun.

Die Energiewende haben wir auch mit David Moreau von negaWatt besprochen. Der Thinktank, der 2002 in Frankreich gegrĂŒndet wurde, ist inzwischen ein Verein mit 1’200 Mitgliedern und seit 2018 auch in der Schweiz aktiv. negaWatt möchte sich durch die Entwicklung und Förderung von Massnahmen, die auf Energiesuffizienz, Effizienz und Erneuerbarkeit basieren, an der Energiedebatte beteiligen. Dabei stĂŒtzt er sich auf Szenarien in Bezug auf energiepolitische Verhaltensweisen und Massnahmen. Das Szenario von negaWatt reduziert sowohl CO2-Emissionen wie auch Importe und kommt ohne Atomenergie aus. Auch die Digitalisierung spielt eine Rolle – dazu hatte David einige Ideen. Die Idee, die mich am meisten angesprochen hat, ist eine Plattform zur Förderung von Wohnungstausch. Dies vor den Hintergrund der Tatsache, dass es zu viele unnötige Neubauten gibt und viele Menschen in Wohnungen leben, die entweder zu gross oder zu weit von ihrem Arbeitsplatz entfernt sind. Eine weitere Idee war eine App fĂŒr Reisen ohne Flugzeug oder Auto, die genauso benutzerfreundlich ist wie Apps zur Flugbuchung. Alles Inspirationsquellen fĂŒr uns als Entwickler*innen und Web-Designer*innen.

Die globale ErwĂ€rmung macht sich bereits bemerkbar – besonders in den Bergen und auf den Gletschern. Dies hatte auch der amerikanische Snowboarder Jeremy Jones festgestellt, der 2007 die weltweit tĂ€tige Organisation «Protect our Winters» (POW) grĂŒndete. Seit 2017 hat POW auch eine Zweigniederlassung in der Schweiz, die uns von Alliance Manager Luc Heering vorgestellt wurde. POW ist eine Organisation von der und fĂŒr die Outdoor-Community bestehend aus Naturliebhaber*innen, Sportlerinnen, KĂŒnstler*innen, Markenvertreter*innen und Wissenschaftler\innen. POW engagiert sich in folgenden vier Bereichen: MobilitĂ€t, ErnĂ€hrung, Bildung und Advocacy. Deshalb wird eine ĂŒberwiegend digitale, positive und emotionale Kommunikation eingesetzt, um diese Leidenschaft fĂŒr die Natur in konkrete Massnahmen umzuwandeln.

Der Übergang vom Bewusstsein zum Handeln

Nach einem köstlichen veganen Mittagessen haben wir uns mit Thibaud Guillaume-Gentil ĂŒber das Thema ErnĂ€hrung ausgetauscht. Dabei habe ich erfahren, dass 28 % der Umweltbelastung durch den Schweizer Konsum auf die ErnĂ€hrung zurĂŒckzufĂŒhren sind – eine schwer verdauliche Tatsache. Eine gute Nachricht ist hingegen, dass die Verwendung von Lebensmitteln aus biologischem und regionalem Anbau die CO2-Emissionen je nach Szenario um 5 bis 30 % senken kann. Die solidarische Landwirtschaft (SOLAWI), die auf der Basis von Bio-Bauernhöfen Produktionsbetriebe und Konsument*innen direkter miteinander vernetzt, bietet einen Lösungsansatz. Letztere können ĂŒber ein Abo erntefrische Hof Erzeugnisse beziehen oder auch auf dem Hof mitarbeiten. Die digitalen Technologien sind dabei Bindeglieder in dieser Kette. Thibaud, der GrĂŒnder des SOLAWI-Betriebs «Rage de Vert», ist selbst Entwickler. Er hat einen Open-Source-Manager erstellt, um den SOLAWI-Betrieben bei ihren administrativen Aufgaben zu helfen (E-Shop, Rechnungsstellung, Mitgliederbereich usw.). Dabei handelt es sich um ein weiteres inspirierendes Beispiel fĂŒr ein Open-Source-Produkt, das einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet.

Dr. Anaïs Tilquin von Renovate Switzerland, einer internationalen Kampagne, die seit Kurzem auch in der Schweiz vertreten ist, thematisierte zudem den grossen CO2-Fussabdruck, der durchs Wohnen verursacht wird. Angesichts der UntĂ€tigkeit der Regierung in Sachen Klimaschutz setzt die Kampagne auf den zivilen Widerstand ihrer Mitglieder (inspiriert von der Kampagne des zivilen Ungehorsams, die in den 1960er-Jahren in den USA zur Beendigung der Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln fĂŒhrte). In der Schweiz blockierten Mitglieder Autobahnen, um ihrer Forderung Gehör zu verschaffen: Der Bundesrat soll Sofortmassnahmen ergreifen, um bis 2040 eine Million HĂ€user, die eine Isolierung benötigen, zu sanieren. Dazu muss die Höhe der SanierungszuschĂŒsse verfĂŒnffacht und die Ausbildung von 100’000 zusĂ€tzlichen ArbeitskrĂ€ften bis 2025 sichergestellt werden. Auch in der Schweiz entstehen neue soziale Bewegungen, die, angesichts der fehlenden politischen Massnahmen fĂŒr den Schutz des Klimas, nach neuen Wegen suchen, um die Dinge voranzutreiben. Ist das, was als radikal angesehen wird, nicht in Wirklichkeit eine angemessene Reaktion auf den Klima Notstand, den manche (noch?) nicht oder nicht vollstĂ€ndig erkennen?

Was wir bei Liip mehr fĂŒrs Klima tun können

Diese Expert*innen gaben uns im Laufe des Tages interessante Einblicke in die zukĂŒnftigen Herausforderungen. Wir freuten uns besonders darĂŒber, dass wir im Anschluss unsere neue Initiative vorstellen konnten: «Liip contributes». Um einen aktiven Beitrag zu leisten, richten wir ein Programm ein, das es unseren Mitarbeitenden ermöglichen wird, NGOs, die sich fĂŒr die Energiewende einsetzen, im Rahmen ihrer Arbeit zu unterstĂŒtzen. Wir haben einen Workshop mit zahlreichen Liipern veranstaltet, um ĂŒber die EinfĂŒhrung eines solchen digitalen Beitragsprogramms nachzudenken. Dabei haben wir uns mit verschiedenen Herausforderungen auseinandergesetzt. Zum Beispiel mit der Finanzierung, die Verbindung zu unserem GeschĂ€ft oder die Auswahl der BegĂŒnstigten. Aber all diese Herausforderungen sind es Wert angepackt zu werden, wenn wir die Vorteile unserer «Liip contributes» Initiative betrachten. Diese werden wir bald ausfĂŒhrlicher mit euch teilen.

WÀhrend dieser Konferenz hatten wir den Mut, uns schwierige Fragen zu stellen. Fragen, die wir zu beantworten versuchen. Den Expert*innen auf der Konferenz zuzuhören und die grosse Begeisterung sowie die Handlungsbereitschaft der Liiper zu sehen, war auf jeden Fall ein guter Anfang.


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