Das war kein Zufall. Das hat meine Berufsbildnerin Petra so geplant. Sie wollte, dass ich möglichst viele Circles und Liiper kennenlerne und dabei so viele Bildungsziele wie möglich abhake. Am Ende zählte, wo es gerade Arbeit und Betreuung für mich gab, nicht ein fixer Plan auf Papier. Trotzdem hat sich im Rückblick eine klare Reihenfolge ergeben, und genau die hat den Unterschied gemacht. Jeder Circle hat mir etwas mitgegeben, das ich im nächsten gebraucht habe.

Vom 1. August bis 1. November war ich im Finance Circle. Hier hat alles angefangen

Ich habe den Umzug des Finance Bereichs weg von unserem Atlassian Wiki begleitet. Die neue Lösung stand damals noch nicht fest. Darum habe ich erstmal alles davon auf Google Drive abgelegt. Das klingt nach einer einfachen Aufräumaktion. Tatsächlich war es ein guter Einstieg, um zu sehen, wie viel Wissen bei Liip überhaupt zusammenkommt und wo es abgelegt ist.

Meine Aufgaben im Circle:

  • Verantwortung für unsere Finance E-Mail, bei der alle Rechnungen ankommen. Ich habe sie abgeklärt und ins RMA, unser Finance System, eingetragen.
  • Monatliche Kreditkartenabrechnung, bei der ich jedes Mal auch nach Automatisierungspotential gesucht habe.
  • Auffrischung der NDA Ablage. Ich habe die ganze Historie übernommen und in Google Sheets ein paar Automatisierungen dafür gebaut, damit niemand mehr von Hand nachschauen muss, wo welcher Vertrag liegt.

Am meisten Spass hatte ich, wenn ich frei nach Automatisierungspotential suchen und dazu recherchieren durfte. Weniger spannend waren die grossen Datenübertragungen. Ein guter Tipp dazu: Die drei Fragezeichen laufen lassen, dann geht das auch. Die typischste Finance Aufgabe war für mich die monatliche Kreditkartenabrechnung. Genau die Art Arbeit, die ein Unternehmen im Hintergrund am Laufen hält.

Im Finance Circle habe ich nicht in erster Linie Zahlen gelernt, sondern wie Liip als Unternehmen tickt.

Vom 1. November bis 1. Februar war ich im Drupal Zürich Circle. Hier wurde es konkreter

Hier durfte ich zum ersten Mal ein Stück PO Rolle einnehmen. Zusammen mit Petra habe ich ein Projekt begleitet. Bei anderen Projekten habe ich zuerst zugeschaut und kleinere Aufgaben übernommen, um das Business dahinter zu verstehen. Das war ein anderes Tempo als im Finance Circle. Statt bestehende Prozesse zu übernehmen, musste ich verstehen, wie ein Kundenprojekt überhaupt entsteht, von der ersten Anforderung bis zur Umsetzung.

Später kamen grössere Aufgaben dazu:

  • PO Testing nach der ersten Umsetzung durch die Entwickelnden
  • Ein Handbuch für das Drupal Backend, das ich von Grund auf geschrieben habe

Bei diesem Handbuch mussten die Erklärungen so einfach sein, dass auch jemand ohne Coding Hintergrund damit arbeiten kann. Genau das war für mich die grösste Übung.

Auch wenn das bei Liip ein Production Circle ist, habe ich dort nie selbst programmiert. In der Berufsschule hatte ich zwar mit Python zu tun. Das war aber nicht wirklich meins. Was ich sehr schätze: Petra pusht mich in unseren Syncs immer wieder Richtung Code und erklärt oder zeigt mir Dinge. Im Circle selbst hatte ich viel mit Backend und Frontend zu tun, aber nie im Code direkt. Am coolsten war für mich der Moment, als ich das Handbuch fertiggestellt hatte. Danach kamen viele positive, dankbare Reaktionen.

Im Drupal Zürich Circle habe ich gelernt, wofür Liip als Firma eigentlich steht.

Vom 1. Februar bis 1. August war ich im Design und Content Circle. Hier durfte ich zeigen, was ich gelernt hatte

In diesem Circle drehte sich vieles um KI mit Fokus auf Content, sei es Erstellung, Aufbereitung oder Guidelines. Für Kundenprojekte durfte ich:

Das reicht von der Vorbereitung der Unterlagen bis zur aktiven Unterstützung während des Workshops selbst, wenn Teilnehmende Fragen haben oder an einer Übung feststecken.

Der Workshop, den ich eingangs erwähnt habe, war mit Caritas St. Gallen und Appenzell. Gleichzeitig war es unser allererster Responsible AI Workshop. Genau in dem Jahr, in dem ich selbst bei Liip gewachsen bin, hat sich auch unsere Expertise zu diesem Thema stark weiterentwickelt.

Ich war so lange in keinem anderen Circle. Genau das hat einen Unterschied gemacht. Ich war viel stärker in die Arbeit des Circles integriert. Vor allem in der zweiten Hälfte habe ich gemerkt, wie viel Vertrauen und Verantwortung ich bekommen habe, um Dinge alleine umzusetzen. Inhaltlich war die Arbeit hier besonders spannend: Es ging viel um die interne Gestaltung von Liip, kombiniert mit Workshops für Kunden, bei denen wir unser Wissen weitergeben konnten. Das war nochmal etwas anderes als in den beiden Circles davor.

Im Design und Content Circle durfte ich nicht mehr nur lernen, sondern selbst etwas weitergeben.

Was sich über das Jahr aufgebaut hat

Wenn ich die drei Circles nebeneinander lege, sehe ich vor allem eine Kurve bei der Verantwortung. Im Finance Circle habe ich Prozesse übernommen, die schon standen, und dabei Leute, Tools und Abläufe bei Liip kennengelernt. Im Drupal Zürich Circle ging es dann mehr um das eigentliche Geschäft von Liip, die Webentwicklung, und ich durfte bei PO Testing schon eigene Entscheidungen treffen und sogar Kunden kennenlernen. Im Design und Content Circle konnte ich dieses Wissen nutzen, um bei strategischen Aufgaben mitzuarbeiten, eigene Tools zu bauen und Workshops mitzugestalten.

Jeder Circle hat mich auf den nächsten vorbereitet. Nicht, weil ich das selbst geplant hätte, sondern weil genau das System hinter der Ausbildung zum Entwickler Digitales Business bei Liip ist. Am deutlichsten sehe ich das bei der Automatisierung. Im Finance Circle habe ich bei der Kreditkartenabrechnung gelernt, wie man einen Prozess auseinandernimmt und nach Automatisierungspotenzial sucht. Genau dieses Denken habe ich im Design und Content Circle wieder gebraucht, als ich eigene KI Tools gebaut habe. Ohne den ersten Schritt hätte ich den dritten nicht so angehen können.

Eine Sache hat sich dabei durch alle drei Circles gezogen, und die hat nichts mit Fachwissen zu tun. Ich habe gelernt, dass ich auf andere zugehen und um Hilfe fragen kann. Nicht, weil ich Lernender bin und das erlaubt ist, sondern weil das bei Liip für alle selbstverständlich ist.

Vertrauen kam bei mir nicht auf einmal, sondern Circle für Circle dazu, und genau das hat mich vom letzten August bis heute am meisten verändert.

Wie sieht deine eigene Lernkurve aus? Baut sich das bei dir auch Stück für Stück auf, oder eher sprunghaft?