Meine berufliche Entwicklung bei Liip ist ein Beispiel für eine Karriere in einem selbstorganisierten Unternehmen

  • Laurent Prodon

Wie kann man sich in einem selbstorganisierten Unternehmen beruflich weiterentwickeln? Diese Frage hat man mir schon oft gestellt, und nach 11 Jahren (!) bei Liip wollte ich von meinem Weg, den ich durch das Unternehmen zurĂŒckgelegt habe, und ĂŒber das, was ich daraus gelernt habe, berichten.

Disclaimer

Das ist mein Weg und nur ein Beispiel von vielen anderen. Wie du sehen wirst, habe ich mehrmals die Richtung geÀndert, wÀhrend andere sich immer mehr spezialisiert haben. Ich möchte diesen Disclaimer als Einstieg nutzen, um den Begriff «Selforg» nicht einfach mit «sich stÀndig neu erfinden» gleichzusetzen.

Eine Welt voller Möglichkeiten

Ich habe versprochen, einen kurzen Artikel zu schreiben, deshalb kann ich nicht alle meine Stationen, die ich bei Liip durchlaufen habe, auflisten. Das sind also nur einige davon: Entwickler, Scrum Master, Product Owner, Business Developer, Salary Process Developer, Holacracy Coach, People Developer, Lead Link, Mitglied des Verwaltungsrats, Agile Coach ...
Du kannst mir glauben, es waren noch viele weitere. (Es sind immerhin 11 Jahre 😉).

Eine lange Liste, die vor allem zwei Dinge aufzeigt:

  • In einem rollenbasierten Unternehmen ist eine feinere Verteilung der Verantwortlichkeiten möglich. Man muss nicht warten, bis jemand pensioniert wird, um einen Teil dieser Verantwortung zu ĂŒbernehmen.
  • Leidenschaft und Lernbereitschaft sind starke Motivationstreiber, und Liip fördert die Entwicklung aller Mitarbeitenden (mehr dazu spĂ€ter).

Eine Konstante: die VerÀnderung

Nach drei Wochen (!) bei Liip wurde ich von zwei der GrĂŒnder ins BĂŒro zitiert: Christian und Gerhard. 😰

Liip werde keine Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Flash-Technologie mehr anbieten. Ok, dachte ich ... Nur dass ich eben erst fĂŒr genau das eingestellt worden war! Eine erste VerĂ€nderung auf einem Weg, auf dem es noch viele weitere – meistens freiwillige – geben sollte.

Deshalb ist Liip wahrscheinlich dermassen «agil». Ein unbĂ€ndiges Verlangen, sich zu verbessern und anzupassen, das niemals gestillt werden kann. Diese stĂ€ndige VerĂ€nderung kann fĂŒr einige mit der Zeit anstrengend werden. FĂŒr mich hingegen ist das eine permanente Quelle der Inspiration.

Eine organische Entwicklung

Ohne ins Detail zu gehen, wie ich 11 Jahre lang verschiedene Möglichkeiten ausgelotet habe, lÀsst sich mein Weg aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Digitale Projekte erfolgreich umsetzen

Liip ist eine fantastische Fabrik fĂŒr digitale Projekte. Mein Einstieg verlief völlig organisch: Mit einer Leidenschaft fĂŒrs Programmieren begann ich 2010 als Entwickler in einem Team. Dies waren die AnfĂ€nge der AgilitĂ€t bei Liip. Ich war beeindruckt vom Rahmen, welcher der – deutlich expliziteren – Kundenbeziehung durch Scrum eingerĂ€umt wurde. Die Kunden sind dafĂŒr verantwortlich, die verfĂŒgbaren Optionen nach ihrer PrioritĂ€t einzustufen. Sie werden auf völlig transparente und umfassende Weise in das Projekt miteinbezogen. Diese neue Sichtweise auf die Beziehung zwischen Kunde und Lieferant, die sozusagen als zwei echte Partner auf gleicher Ebene angesehen werden, hat mich begeistert. Daher habe ich mich nĂ€her damit befasst, wurde Scrum Master und anschliessend Product Owner. Ich wollte herausfinden, wo ich den grössten Nutzen fĂŒr das Team und unsere Kunden erzielen kann.

Leadership nach «Selforg»-Art

Mit der UnterstĂŒtzung meiner Kolleginnen und Kollegen habe ich mehr und mehr FĂŒhrungsaufgaben ĂŒbernommen. Diese waren vor der EinfĂŒhrung von Holacracy («mit Laurent schauen») noch relativ diffus und schlecht definiert, konnten aber dann durch den Wechsel hin zu einem Rollensystem geklĂ€rt werden: verantwortlich fĂŒr die Rekrutierung, das BĂŒro in Lausanne, die GehĂ€lter... Diese Aufgaben waren nicht immer einfach, aber sie haben mich als Person weitergebracht. Und die Erkenntnisse daraus konnte ich dann im Verlauf meines Weges an andere weitergeben. Heute freue ich mich, dass ich meine Kolleg*innenin Form eines Coachings in ihrer Entwicklung begleiten darf.

AgilitÀt hier und andernorts

Unsere Umstellung auf Holacracy im Jahr 2016 wurde von den Medien schnell aufgegriffen. Ich war massgeblich daran beteiligt, und so kam es, dass ich auch andere Unternehmen, die bei uns angeklopft haben, auf ihrem Weg hin zur AgilitĂ€t unterstĂŒtzt habe. Der zigste Wechsel fĂŒr mich und eine neue Art der Bewertung von Errungenschaften im Bereich der AgilitĂ€t: hinzu kam eine Coaching-Haltung, die sich am Change Management orientiert.

«Rollentourismus»?

Dieser Artikel sollte nicht zu der Annahme verleiten, dass man die Rolle, die man will, auch einfach so bekommt. Jedes Team verfĂŒgt ĂŒber einen «Rollenverteiler», also jemanden, der dafĂŒr zustĂ€ndig ist, die am besten geeignete Person fĂŒr eine freie Position zu finden. GrundsĂ€tzlich basiert die Zuteilung wie bei einer klassischen Bewerbung auf mehreren Kriterien: FĂ€higkeiten, Zielsetzung fĂŒr die Rolle, verfĂŒgbare Zeit. Aus diesen Kriterien heraus entwickelt sich eine Art Vertrag: Man verpflichtet sich, eine Rolle fĂŒr einen bestimmten Zeitraum zu ĂŒbernehmen. Auch hier kein Tourismus. đŸ–ïž

Die dafĂŒr nötige Energie zwingt uns oft dazu, eine Wahl zu treffen: Wenn ich diese neue Verantwortung ĂŒbernehme, welche lasse ich dann los? Dies stellt einen wesentlichen Faktor dar, um sich in dieser Welt der Möglichkeiten nicht zu verlieren.

Die Bedeutung der Leidenschaft, der Lernbereitschaft und des angebotenen Rahmens

Die Übernahme von Verantwortung ist reizvoll und erfordert eine stĂ€ndige Weiterentwicklung. Dies war beispielsweise auch der Fall, als unser Coaching-Service fĂŒr einen agilen Ansatz ins Leben gerufen wurde. Ziemlich schnell wurde mir bewusst, dass es nicht ausreicht, wenn ich nur Spezialist fĂŒr AgilitĂ€t bin, sondern dass ich mich auch im Bereich Change Management weiterbilden musste, um unsere Kunden entsprechend unterstĂŒtzen zu können. Und auch, um die verschiedenen Arten von Leadership besser verstehen und einstufen zu können. Dies zeigt, wie wichtig es ist, sich parallel zu diesen vielfĂ€ltigen Entwicklungen stĂ€ndig weiterzubilden. Ich investiere indessen viel Energie in die Weiterbildung und das Lernen. Meine direkten Kolleginnen und Kollegen, mein People Developer (interner Coach) und das jĂ€hrliche Weiterbildungsbudget von Liip sind hierbei eine grosse UnterstĂŒtzung.

Fazit

Du hast es sicher bereits verstanden: Liip fördert Eigeninitiative und die Übernahme von Verantwortung. Dieser Rahmen kann auf viele verschiedene Arten wahrgenommen werden. Ich kann mich leicht fĂŒr neue Dinge begeistern. Bei Liip habe ich die Möglichkeit, meine Energie auch jederzeit dort einzusetzen, wo es am sinnvollsten ist.


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