Die Drupal4Gov-Konferenz war vollgepackt mit spannenden Vorträgen. Ich war auch dort, um unsere Arbeit am Projekt Kanton Basel-Stadt / Alva / blökkli vorzustellen. Darüber haben wir bereits geschrieben, aber es gibt bereits wieder neue Funktionen.
GovNL: Von Monaten zu Minuten beim Aufbau von Websites
GovNL kombiniert Open-Source-Drupal-Komponenten mit einem offenen Designsystem, um zahlreiche Websites der niederländischen Regierung zugänglich und skalierbar zu betreiben. Die Zeit für den Aufbau neuer Websites reduziert sich dadurch von etwa drei Monaten auf rund zehn Minuten. Beeindruckend, um es gelinde zu sagen. Das ist ein starkes Beispiel dafür, wie Design für Wiederverwendung in grossem Massstab funktionieren kann.
Europäische Kommission: Koordination ist der Schlüssel zur Skalierung
Die Europäische Kommission betreibt bereits 770 Websites und investiert stark in das Drupal-Ökosystem. Besonders aufgefallen ist mir, wie stark der Fokus auf Koordination liegt. Man muss sicherstellen, dass die richtigen Inhalte über den richtigen Kanal innerhalb dieser grossen Website-Landschaft veröffentlicht werden. Open Source Program Offices (OSPOs) wurden eingerichtet, um Open-Source-Strategien sowohl auf Regierungsebene als auch innerhalb von Organisationen voranzutreiben.

Website des Kantons Basel-Stadt und Alva: ein Blueprint für lokale öffentliche Verwaltungen
Kurz vor der Mittagspause war ich an der Reihe, die verschiedenen KI-Use-Cases vorzustellen, die wir für den Kanton Basel-Stadt umgesetzt haben. Der Kanton setzte mit dem Relaunch von bs.ch neue Standards: mit einem nutzerorientierten Design, einem themenbasierten Zugang statt interner Organisationsstruktur und Alva als erstem KI-basierten Chatbot für einen Schweizer Kanton. Der Tech-Stack basiert auf Open-Source-Komponenten, und Liip hat im Rahmen des Relaunches stark zu Open Source beigetragen. Wir verwenden Drupal als CMS, Nuxt/Vue, den blökkli-Editor für das Headless-Frontend und Elasticsearch für die Suche. Die Inhalte werden von einem departementsübergreifenden Redaktionsteam erstellt, das einer klaren Content-Strategie folgt.
KI zur Unterstützung der Öffentlichkeit und der Editor*innen
Der Vortrag war auch eine Gelegenheit, mehr als 18 Monate nach dem Go-Live Zahlen zu teilen. Heute beantwortet Alva über 10 000 Fragen pro Monat, mit durchschnittlich 1,36 Fragen pro Konversation und einem Wachstum von +44 % seit Alva 2.0. Dank API-Integrationen kann der Chatbot Fragen auf Basis von Echtzeitinformationen beantworten. Alva wird stark von internen Mitarbeitenden des Kantons sowie von der Öffentlichkeit genutzt. Der Chatbot zeigt und überprüft stets seine Quellen, was entscheidend ist, um Vertrauen aufzubauen.
Auf der Redaktionsseite arbeitet blökkli intensiv daran, Texte zu vereinfachen. Mit dem blökkli-Editor und integrierter KI können Editor*innen nun Lesbarkeitsanalysen durchführen, vorgeschlagene Vereinfachungen nebeneinander sehen und diese übernehmen oder anpassen. Alva und die KI-Funktionen auf bs.ch werden kontinuierlich weiterentwickelt, um Editor*innen und Bürger*innen vertrauenswürdige KI-Technologien bereitzustellen.
KI-gestützte Technologien in der französischen Regierung
Ein weiterer inspirierender Vortrag zeigte Use-Cases von KI auf der Plattform Services Publics+ der französischen Regierung. Mit über 140 000 geteilten Erfahrungen und mehr als einer Million Reaktionen nutzt das System KI-gestützte Technologien, um staatlichen Stellen dabei zu helfen, Feedback an Bürger*innen zu geben. Dazu gehören Speech-to-Text und Echtzeit-Zusammenfassungen als zentrale Technologien. C’est magnifique!
Die EU vertraut Open Source mehr denn je
Die Europäische Union hat den Website Evidence Collector eingeführt – ein Open-Source-Tool, das Websites auf Sicherheitsprobleme überprüft. Bemerkenswert ist, dass das Projekt unter der EUPL (European Union Public Licence) veröffentlicht wurde. Diese betont die Interoperabilität zwischen Ländern und Lizenzen und unterstützt mehrsprachige Zusammenarbeit. Ich frage mich, ob es in der Schweiz etwas Ähnliches gibt.
Mit Interoperable Europe bietet die EU ausserdem ein neues Portal mit einem hilfreichen Licensing Assistant. Damit kannst du Softwarelizenzen finden und vergleichen sowie mit einem Kompatibilitäts-Checker prüfen, ob verschiedene Open-Source-Lizenzen kombiniert werden können und ob rechtliche Komplikationen entstehen könnten.
Open Source zu nutzen reicht nicht - wir brauchen Champions
Zum Abschluss betonte Tiffany Farris von der Strategieberatung Palantir.net (nicht zu verwechseln mit Palantir Technologies), dass die Nutzung von Open Source gut ist, aber nicht ausreicht. Organisationen brauchen Champions, die Beiträge zur Community und die Gesundheit des Ökosystems aktiv vorantreiben. Design für Wiederverwendung sollte ein zentrales Prinzip sein. Aus US-Perspektive ist Beschaffung (Procurement) ein grosses Problem: Die Nutzung von Open Source wächst, aber Unterstützungsmechanismen oft nicht. Wenn Open Source als „kostenlos“ betrachtet wird, kann das dazu führen, dass Aufträge an Anbieter gehen, die ihre Arbeit zwar als Open Source vermarkten, aber kein nachhaltiges Ökosystem unterstützen. Sie schlug konkrete Anpassungen der öffentlichen Beschaffung im Sinne von „Public Money, Public Code“ vor, um das Ökosystem besser zu unterstützen. Ein wirklich inspirierender Abschluss für einen intensiven Tag voller Lernen und Austausch.
Wenn du tiefer in die Inhalte eintauchen möchtest, kannst du dir die Playlist der Präsentationen von Drupal4Gov EU 2026 ansehen.