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Die plattformübergreifende native App-Entwicklung ist oft ein geeigneter Lösungsansatz, wie Patricia Herren vom Business Development bei der Webagentur Liip und Softwareentwickler Christoph Ebert ausführen.

Weshalb bewegt sich Liip als Webagentur bei der App-Entwicklung weg von Webtechnologien?

Patricia Herren: Wir bewegen uns nicht komplett weg von Webtechnologien, sondern haben erkannt, dass für gewisse Anwendungen der Einsatz nativer Technologien dem Kunden und User mehr Nutzen bringt. Ursprünglich war Liip vor allem in der Webentwicklung mit PHP stark. Deshalb haben wir zuerst webbasierte und hybride Apps entwickelt. Mit unserem Know-how konnten wir dem Markt unser Wissen bereits zu Beginn der Mobile-Welle zur Verfügung stellen. Um höchste Performance, Benutzerfreundlichkeit und Anwendungsqualität zu erreichen, haben wir uns entschieden, uns stärker in Richtung native Entwicklung zu bewegen und nicht nur eine, sondern alle gängigen Plattformen abzudecken. So kam Xamarin ins Spiel, weil dieses Framework unsere Ansprüche gut abdeckt und wir zudem bis zu 70 Prozent Code wiederverwenden können, wenn wir mit Xamarin für iOS, Android und Windows Phone entwickeln. Der Code wird vollständig in C# geschrieben. So sparen wir je nach Projekt bis zur Hälfte der Zeit.

Christoph Ebert: Wir trafen diesen strategischen Entscheid, weil wir merkten, dass die Browser der jeweiligen Geräte an Grenzen stossen. Die Anfragen nach mobilen Applikationen nehmen laufend zu, da reichte das Wissen aus dem Web alleine nicht mehr. Deshalb bauten wir den mobilen Bereich aus und gründeten ein eigenständiges Team, das sogenannte Mobile Squad.

Nun gibt es ja nicht nur verschiedene Mobilplattformen, sondern die Apps müssen meist auch noch mit verschiedenen Systemen im Hintergrund zusammenarbeiten. Inwiefern spielt hier die plattformübergreifende Entwicklung eine Rolle?

Ebert: Wir haben gerade ein Projekt für eine Servicetechniker-App mit SAP-Anbindung abgewickelt. Da war Xamarin äusserst hilfreich, weil es den Aufbau der Schnittstellen zu SAP vereinfachte. Das Backend-System war schon vorhanden, wir mussten für die Kommunikation nur noch eine Schnittstelle generieren. Da das Backend in .Net geschrieben ist, konnten wir die bestehenden Datenmodelle eins zu eins auf dem Mobilegerät abbilden und die existierende Logik auf die Geräte übertragen. So haben wir sehr viel Zeit gespart.

Wie weit spielt die Programmiersprache selbst für Entwickler eine Rolle?

Ebert: Wenn ich mir die beiden dominierenden Sprachen im mobile Bereich anschaue, Objective-C bei iOS und Java bei Android, so liegen dazwischen Welten. Hier liegt die Herausforderung darin, beide Sprachen zu beherrschen. Wenn die Sprache einheitlich ist und man die App in C# entwickeln kann, könnte theoretisch auch ein .Net-Entwickler diese Arbeit übernehmen. Aber man muss die plattformspezifischen Eigenheiten trotzdem kennen. Das gilt insbesondere beim User Interface. Bei der Servicetechniker-App arbeitete ich mit einem Backend-Entwickler zusammen, der die ganze Businesslogik gebaut hat. Ich machte den Frontend-Teil und passte die Logik auf das User Interface an. So kann man das trennen, vergleichbar mit der klassischen Webentwicklung, wo man einen Frontend- und einen Backend-Entwickler hat.

Weshalb war in diesem Fall eine native App sinnvoll?

Ebert: Einer der Hauptgründe waren die Anforderungen, die wir umsetzen mussten. Dazu gehörte eine sehr komplexe Suche, die über tausende Datensätze performant sein und offline funktionieren muss, wenn der Servicetechniker keinen Empfang hat. Das wäre mit Webtechniken in dieser Qualität nicht realisierbar gewesen. Wir nahmen hier mit Lucene eine Suchmaschine aus der Java Welt. Davon gibt es eine .Net-Version, die wir dank Xamarin auf dem iPhone zum Laufen gebracht haben.

Das Mobile-Umfeld entwickelt sich recht rasant. Was macht Liip, um hier am Ball zu bleiben?

Herren: Das ist mit ein Grund, weshalb wir das Mobile Squad ins Leben gerufen haben. Das Squad, bestehend aus Business Developer, Product Owner, Entwickler und UX, konzipiert und entwickelt benutzerfreundliche Mobile-Lösungen für unsere Kunden. Wir organisieren uns selbstständig und haben genug Spielraum, um Trends zu verfolgen und zu setzen. Zurzeit arbeiten wir an einem spannenden Projekt mit Wearables.

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