Schlank und risikoarm entwickelte

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Der zunehmende Einsatz von Smartphones im Unternehmen bringt neue Herausforderungen. So erschwert beispielsweise die Heterogenität bei den mobilen Endgeräten das Einhalten der Unternehmensrichtlinien für Sicherheit und zentrale Verwaltung. Geht es darum, Kunden Mobile-Applikationen zur Verfügung zu stellen, nimmt die Komplexität weiter zu.

Der zunehmende Einsatz von Smartphones im Unternehmen bringt neue Herausforderungen. So erschwert beispielsweise die Heterogenität bei den mobilen Endgeräten das Einhalten der Unternehmensrichtlinien für Sicherheit und zentrale Verwaltung. Geht es darum, Kunden Mobile-Applikationen zur Verfügung zu stellen, nimmt die Komplexität weiter zu. Mobile-Business-Applikationen haben das Potenzial, in vielen Bereichen die Produktivität zu steigern und den Geschäftswert zu mehren. Doch die Investition in mobile Technik birgt auch Unsicherheiten und wirft Fragen auf. Für welche Plattformen soll entwickelt werden? Müssen verschiedene Applikationen für die verschiedenen Endgeräte entwickelt werden? Ist es am Ende doch günstiger, für mobile Endgeräte optimierte Websites zu bauen, statt Applikationen zu entwickeln?

Genau hier spielt das Entwicklungskonzept Niwea (Native Interoperable Web Application) seine Vorzüge aus, indem es die Vorteile von nativen Applikationen mit denen von Mobile-Websites verbindet. Sein flexibles Entwicklungsmodell ermöglicht es, auf künftige Entwicklungen zu reagieren und damit die Investitionssicherheit zu verbessern.

Die rasante Entwicklung des Web und der mobilen Endgeräte setzt neue Massstäbe bei der Bedienung und Ästhetik. Techniken wie GPS, Beschleunigungssensoren und Kameras können Mobile-Applikationen zu unaufdringlichen Begleitern machen, die sich in unseren Alltag einfügen. Je nach Anwendungsgebiet ist die Nutzung solcher Techniken und Funktionen sogar eine Voraussetzung dafür, dass sich eine Applikationen im Markt etablieren kann.

Rich Media auf mehreren Endgeräten

Nach dem Niwea-Konzept entwickelte Applikationen bedienen sich HTML 5, um Rich Media auf die verschiedenen Endgeräte zu bringen. Dieser Standard wird von den aktuellen Mobile-Plattformen überdurchschnittlich gut unterstützt. Funktionen wie GPS werden über Javascript angesproc¨hen. Selbst auf den Trend zum «Web of Things» ist das Konzept schon vorbereitet. Wenn in Zukunft der Toaster oder der Kühlschrank über das Web kommunizieren, kann auch für solche mit «Intelligenz » ausgestatteten Gebrauchsgegenstände auf Basis von Niwea entwickelt werden.

Letztlich lässt sich auf Basis von Niwea auch das Risiko der unterschiedlichen Distributionskanäle verringern. Bekanntlich verfolgen grosse Anbieter von mobilen Applikationen mit ihren App-Stores eigene Interessen. Dies führt zuweilen zu Zielkonflikten mit den Anbietern von Applikationen bis hin zu Verzögerungen des geplanten Markteintritts.

Das Niwea-Konzept stellt sicher, dass offene Technik verwendet wird. So bleiben die Distributionskanäle frei wählbar, denn die Applikationen können sowohl als Mobile- Websites als auch aufbereitet für die verschiedenen App-Stores angeboten werden. Durch diesen hybriden Ansatz werden auch künftige Entwicklungen im Bereich der Vertriebskanäle für mobile Applikationen vorweggenommen.

Erfahrungsbericht: NIWEA im Einsatz

Die Plattform Vanilla.ch ist unter Berücksichtigung von NIWEA konzipiert und umgesetzt worden. Vanilla erlaubt es dem Benutzer, aktuelle Aktionen bestimmter Anbieter zu suchen, anzusehen und einzulösen. Das ganze Projekt besteht aus einer Website und einer dazu gehörigen mobilen Applikation. Mit mobilen Endgeräten ist es möglich, in teilnehmenden Läden mit einem Strichcode zu bezahlen. Die Zahlungsabwicklung wird im Hintergrund über eine Kreditkarte ausgeführt. Gemäss diesen Rahmenbedingungen wurden verschiedene Anforderungen an die mobile Applikation von Vanilla gestellt: Aktionen, basierend auf dem Ort, an dem sich der Benutzer gerade befindet, müssen angezeigt werden können (Geolokalisation); es soll möglich sein, die User-History lokal zu speichern (Local Storage); die Applikation muss als sicheres Zahlungsmittel nutzbar sein (Verschlüsselung); es muss möglich sein, die Applikation mit möglichst wenig Aufwand auf den gängigen Smartphones mit den Betriebssystemen iOS, Android und Symbian zu benutzen; die Applikation muss in den jeweiligen App-Stores angeboten werden können und schliesslich sollten diese Anforderungen mit einer Code- Base abgedeckt werden können.

Schlüsselelemente HTML 5 und Phonegap

Die Kombination von zwei Schlüsselelementen ist die Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des Entwicklungskonzepts NIWEA: die richtige Markup Language und die Implementierung von nativen Funktionen des jeweiligen mobilen Gerätes. Die meisten Anforderungen an das Projekt Vanilla. ch konnten schon durch den Einsatz von HTML 5, das zum Beispiel Geolokalisierung implementiert, Javascript und CSS realisiert werden. Für die Einbindung von nativen Funktionen existieren mehrere Frameworks auf dem Markt. In diesem Fall wurde Phonegap verwendet.

Interoperabilität und Sicherheit

Phonegap verpackt native Funktionen des jeweiligen Betriebssystems in Javascript- Funktionen, aber alternativ wäre auch der Einsatz der neuen HTML-5-Features möglich gewesen. Die Funktionen Geolokalisation und Local Storage konnten direkt über HTML 5 angesprochen werden, da die Browser von I-Phone und Android auf dem Web-Kit- Framework basieren und schon heute diese HTML-5-Features unterstützen.

Da die ganze Applikation auf Webtechnologien basiert, musste kein neues Backend erstellt, sondern das Bestehende nur leicht modifiziert werden, um die Kompatibilität mit der mobilen Applikation zu ermöglichen. Dieselben HTML-, CSS- und Javascript-Dateien können in die Projektstruktur einer I-Phoneoder Android-App eingefügt werden, denn mit den jeweiligen Buildtools werden daraus native I-Phone- und Android-Apps kompiliert, die in den jeweiligen App-Stores angeboten werden können.

Bei den Anforderungen an die Sicherheit besteht das Problem der Verschlüsselung. Webtechnologien bieten die Kommunikation mit dem Backend über Secure Socket Layer an.

Um auf dem App-Markt erfolgreich sein zu können, muss das Bedienungskonzept und die Optik des jeweiligen Gerätes eingehalten werden. So genügte es für die Migration auf Android lediglich, eine spezifische CSS-Datei nur für Android zu schreiben, die gewisse Regeln der Basisdatei überschreibt.

Unabhängiges und effizientes Konzept

Für den Benutzer macht es keinen Unterschied, ob er eine native oder eine mit Webtechnologien und Phonegap erstellte Applikation nutzt. Zwar gibt es bei einigen Gerätetypen noch Lücken in der Unterstützung, doch die eingesetzten Frameworks werden stetig weiterentwickelt. NIWEA ist ein flexibles Konzept, das die Entwicklung für mobile Plattformen unabhängiger und effizienter macht.

Was ist Native Interoperable Web Application (NIWEA)?

(N)IWEA

Native Applikationen fügen sich in ein bestehendes System ein, sei es ein Computer, ein Mobiltelefon, ein Tablet-PC oder ein Fernseher. Sie fühlen sich so an, als wären sie speziell für das jeweilige Endgerät entwickelt worden. Zusätzlich werden auch verfügbare Systemkompontenten wie Bewegungssensoren, Geolokalisierung, Audio- und Videofunktionen und der lokale Speicher eingebunden.

N(I)WEA

«Interoperable» weist hier zwei Bedeutungen auf: Einerseits kommuniziert NIWEA im Hintergrund mit einer (bestehenden) Webschnittstelle und benutzt die gleiche Art der Kommunikation mit einem Backend wie herkömmliche Webapplikationen. Andererseits gilt: «Einmal implementieren, überall ausführen ». Aufgrund der grossen Verbreitung von offenen Standards, HTML 5 und Javascript können Inhalte von verschiedenen Endgeräten genutzt werden.

NI(WE)A

Eine unter NIWEA entwickelte Applikation basiert ausschliesslich auf Webtechnologien. «Web» bedeutet allerdings nicht, dass man diese Applikationen nur in einem Browser benutzen kann oder bei der Nutzung online sein muss.

NIWE(A)

Mit NIWEAs ist es möglich, eine Applikation einmal zu entwickeln und für verschiedene Geräteplattformen zur Verfügung zu stellen: Dies umfasst sowohl die Integration in den jeweiligen Online-Store, wie auch die Berücksichtigung des plattformspezifischen Bedienungskonzepts.

«Die User Experience der Mobile-Plattform muss beibehalten werden»

Wer heute etwas an die Kundschaft bringen will, scheint um mobile Applikationen kaum mehr herumzukommen. Über Chancen, Risiken und Nebenwirkungen unterhielt sich die Netzwoche mit Leila Summa, Leiterin Digital Marketing, bei der Migros und Grégory Grin, Head of Mobile, bei Local.ch.

Wie wichtig werden mobile Applikationen in Zukunft für Ihr Unternehmen sein? Ist das alles nur ein Hype oder vollzieht sich momentan eine kleine Revolution?

Die Anforderungen an eine mobile Applikation unterscheiden sich von denen an eine Desktopapplikation. Den Mobile-Bereich betrachten wir als eigenständiges Medium mit eigenständiger Strategie. Es handelt sich um einen Markt, der sich schnell weiterentwickelt. Alle wollen heutzutage ein Smartphone in der Tasche haben und mobile Applikationen erreichen fast täglich neue Nutzergruppen.

Die Anzahl der im App-Store von Apple verfügbaren Applikationen hat binnen kurzer Zeit die Grenze von 350 000 überschritten. In vielen Firmen wird auf Managementebene darüber diskutiert, ob man ebenfalls mit einer I-Phone-App nachziehen sollte – oft aus Image-Gründen. So gesehen könnte man vermutlich auch von einem Hype ausgehen. Stellt man die effektiven Nutzerzahlen von mobilen Applikationen dem Mehrwert und den entstehenden Kosten pro Nutzer gegenüber, bringt das oft Ernüchterung.

Wo sehen Sie die Risiken – wo die Chancen beim Einsatz mobiler Applikationen?

Ein Risiko ist vermutlich die mangelnde Standardisierung seitens der Gerätehersteller sowie die starke Fragmentierung des Mobile-Marktes. Das Ziel jedes Unternehmens wird es sein, mit den Mobile-Aktivitäten einen möglichst grossen Benutzerkreis zu erreichen. Dies erfordert eine Umsetzung, die konsequenterweise auf allen Plattformen funktioniert, sei es nun etwa Android, Blackberry, I-Phone oder Windows Mobile. Dies verschlingt personelle und finanzielle Ressourcen. Zu den Chancen gehören: auf das Gerät optimierte User Experience, kostenpflichtige Downloads aber auch die Kundennähe. Daraus ergeben sich neue, zielgruppengerechte Werbemöglichkeiten.

Wir haben die Chance, andere Nutzergruppen anzusprechen. Im mobilen Kontext kann eine unmittelbarere Beziehung zur Kundschaft aufgebaut werden. So lassen sich Konsumenten zum Beispiel dazu bewegen, ein Geschäft in ihrer Umgebung zu besuchen. Aus diesem Grund ist es wenig ratsam, eine bestehende Website einfach nur auf ein mobiles Endgerät zu portieren. Die User Experience der jeweiligen Mobile-Plattform muss beibehalten werden.

In welche Richtung entwickelt sich der Markt? Was für eine Rolle werden Konzepte wie der App-Store in Zukunft spielen?

Es geht darum, in einer neuen Art und Weise auf Informationen zuzugreifen, von der sich alle Generationen von Nutzern angesprochen fühlen. Die Anzahl der angebotenen Applikationen und der entsprechenden «Marketplaces » nimmt stetig zu. Es wird immer schwieriger, aus der grossen Anzahl von Apps die passende auszuwählen. Deshalb werden sich die App-Stores mehr und mehr zu veritablen Suchmaschinen weiterentwickeln. Die Positionierung der Apps innerhalb der Stores wird zu einem wichtigen Kriterium. SEO für Appstores ist bereits heute ein Thema.

Mobile Websites und hybride Apps mit Ansätzen wie Niwea werden sicher an Bedeutung gewinnen, denn Firmen möchten mit möglichst tiefen Kosten möglichst viele Nutzer erreichen.

Wie sieht die Mobile-Strategie in Ihrem Unternehmen aus? Setzen Sie auf einen hybriden Ansatz oder verwenden Sie ausschliesslich native Applikationen?

HTML 5 erlaubt es, Synergien zwischen verschiedenen Plattformen zu nutzen. Wir sind im mobilen Bereich seit 2009. Würden wir morgen alles auf HTML5 migrieren, wäre das für uns mit grossen Risiken verbunden.

Und wenn Sie heute entscheiden könnten, würden Sie den hybriden Ansatz als ernstzunehmende Alternative zur rein nativen Strategie in Betracht ziehen?

In Tat und Wahrheit haben wir bereits erste hybride Elemente in unsere Applikationen integriert. Sobald ein solcher Ansatz einen Mehrwert für unsere Nutzer und Kunden generiert, setzen wir ihn auch um. Wenn wir heute bei Null beginnen müssten, würden wir sicher von Beginn an auf einen hybriden Ansatz setzen, offene Technik nutzen und native Funktionen ansprechen. Die beiden Ansätze widersprechen sich nicht, im Gegenteil, sie bereichern sich gegenseitig. Ein hybrider Ansatz muss aber sicherstellen, dass alle benötigten nativen Funktionen korrekt unterstützt werden, denn unsere Applikation verwendet einen signifikanten Anteil nativer Funktionen.

Veröffentlicht in: Netzwoche, 05/2011 © netzmedien ag

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