Awards: Es ist nicht immer alles Gold was glänzt

  • Jenny Zehnder

Die Schweizer Digital Agenturen sammeln fleissig Preise, in allen möglichen Bereichen, seit Jahren. Awards aber auch Erkenntnisse werden gewonnen - jedes Jahr aufs Neue werden Arbeit und Kosten investiert. Zu welchem Preis und was bringts?

Liips Awardgeschichte

Alles begann vor 14 Jahren, als Liip noch keine etablierte Digitalagentur, sondern ein Start-up war. Und frisch den Markt mit Webseiten und Mobile Projekten stĂŒrmte. 2007 wurde Liip von vier Menschen aus zwei Unternehmen gegrĂŒndet. Die ersten Mitarbeitende waren bereits zur Stelle. Projekte und der erste Master of Swiss Web kam dazu - bereits 2007 mit local.ch. Schon der erste Master ist einer Kollaboration von verschiedenen Agentur geschuldet. Das Ă€nderte sich ĂŒber die Jahre nicht, denn kaum eine Agentur erhielt den höchsten Preis der Web-Welt alleine.

Der freudige Blick zurĂŒck

Damals in den Anfangsjahren buhlten ca. 10 Agenturen um die beste Webseite der Schweiz. Kaum wurde der Best of Swiss Web als Wettbewerb und Liip als Agentur gegrĂŒndet, hat Liip alles abgerĂ€umt. In den ersten zwei Jahren bereits zwei Mal Master - was fĂŒr ein Erfolg. Nicht nur Best of Swiss Web war entscheidend um an Bekanntheit zuzulegen. So wurde Liip mit dem Nachhaltigkeitspreis der ZĂŒrcher Kantonalbank 2013 das erste mal belohnt fĂŒr das Engagement als Arbeitgeber*in und fĂŒr die Nachhaltigkeit. Auch der Prix EgalitĂ© der bereits zwei Mal gewonnen wurde, sagt viel darĂŒber aus, dass Liip sich um die Gleichberechtigung der Mitarbeitenden kĂŒmmert. Immer wieder wurden auch Meilleur du Web Awards und meilleur employeuer romand geholt. Zuletzt im Jahre 2021. Denn, Liip legt Wert auf soziale Arbeitsbedingungen und ist in der ganzen Schweiz tĂ€tig. Daher wird auch in der ganzen Schweiz an Wettbewerben mitgemacht.

Kund*innen und Awards

Liip hat immer wieder den Master of Swiss Web gewonnen und konnte unvergessliche Momente feiern. Gerade fĂŒr Teams, die mit Kund*innen zusammen Anerkennung erfahren und richtig feiern können sind Awards ein Faktor der zusammenschweisst.

LangjÀhrige Beziehungen

Als Beispiel geht die Geschichte von Migros und Liip ĂŒber 10 Jahre zurĂŒck und gemeinsam wurden bereits zwei Master of Swiss Web gewonnen. Awards stĂ€rken solche existierenden Beziehungen zusĂ€tzlich. Kund*innen gewinnen gerne Preise fĂŒr Projekte, denn das heisst, dass ihre Webseiten, Plattformen, Onlineshops und Apps aussergewöhnlich sind. Herausragende Leistung wird noch grösser wenn sie ausgezeichnet wird. Es macht immer wieder Spass gemeinsam mit den Kund*innen zu feiern, auf den gemeinsamen Erfolg anzustossen.

Die unglaubliche Anzahl Awardeinreichungen

Mit dem Wachstum der Branche wuchs auch der Konkurrenzkampf und die Bekanntheit solcher Awards. 2021 wurden 326 Projekte fĂŒr den Best of Swiss Web Award eingereicht. In 14 Jahren eine enorme Steigerung an Einreichungen. Mittlerweile sind Award-Einreichungen auch Teil von Pitches geworden und versprechen damit kĂŒnftigen Kund*innen Erfolge.

Jede Medaille hat eine Kehrseite

Vor 10 Jahren war eine Einreichung schnell gemacht, das Projekt beschreiben einige BIlder und fertig. Nun ist der Einreichungsprozess langwierig und kostenintensiv geworden. Eine Einreichung braucht Videos, eigene Webseiten und viel visueller und geschriebener Content. Zudem kostet sie normalerweise auch viel Geld, die internen Kosten nicht eingerechnet. In den Marketingausgaben der Liip waren Awards in den letzten Jahren somit ein betrĂ€chtlicher Ausgaben Punkt. Es wird nicht nur fĂŒr die Einreichung sondern auch fĂŒr die Gala-Abende bezahlt und die Feier mit den Kund*innen wird daher oft teuer.

Wozu sind Awards gut?

Am Anfang verhalfen die Preise der Agentur zu grösserer Bekanntheit. Potenzielle Kund*innen sehen sich Digitale Rankings an und Preise machen Eindruck. Es gilt noch immer wer Wettbewerbe gewinnt, beherrscht sein Handwerk. In den Anfangsjahren haben diese Preise also aktiv geholfen, die Credibility zu etablieren. In den letzten Jahren kamen unzĂ€hlige Awards dazu. Die Möglichkeiten sind unzĂ€hlig von Arbeitgeber*innen fokussierter Awards, zu Technologie-Awards, regional, international, alles ist dabei. In den letzten Jahren haben wir versucht ĂŒberall dabei zu sein und uns zu prĂ€sentieren. Überall dabei zu sein erzielt kurzfristig Reichweite und mediale Plattformen. Langfristig ist schwer abzuschĂ€tzen, was Awards wirklich bringen.

Return on investement

Messbare Kriterien zu kreieren, ob und wie viele neue Kund*innen und Projekte durch diese Preise gewonnen werden ist schwierig. Daher haben wir auch nach 13 Jahren und unzĂ€hligen Preisverleihungen noch keine klare Aussage machen können, was der return on investment (ROI) ist. Einige AuftrĂ€ge hat es sicherlich gebracht und es ist auch sehr gut möglich, dass uns das auf dem Arbeitsmarkt geholfen hat, Talente zu gewinnen. Der Fokus liegt aber nach wie vor, auf den Soft-Faktoren. Preise helfen immer mal wieder zu reflektieren, was wir eigentlich geleistet haben und stellen sicher, dass wir das auch dokumentieren. FĂŒr Entwickler*innen und Designer ist es eine schöne Anerkennung preisgekrönte Arbeit zu leisten. Und es ist immer wieder interessant zu sehen, in was in der Branche fĂŒr Trends vorherrschen, was die Konkurrenz macht und was sich etabliert.

Den Purpose in Awards finden

Einmal in den Top 5 im Ranking der besten Digitalagenturen der Schweiz angelangt, wird man die Awards nicht mehr so schnell los. Denn der Druck keine Punkte zu verlieren ist betrĂ€chtlich. Nichtsdestotrotz folgen wir, wie bei allem dem Prinzip “purpose over profit” oder in diesem Falle “purpose over cost”. Denn noch immer ist es ein Anlass den Trend zu spĂŒren und Anerkennung zu erhalten. Allerdings wurden die Einreichungen an Awards minimiert. Liip partizipiert nicht mehr an allen Awards, sondern sehr dediziert, da wo es Sinn macht und unsere Kund*innen mit uns Erfolge feiern können.

Fragestellungen fĂŒr die Zukunft

FĂŒr die Zukunft stellen sich allerdings fundamentale Fragen. Heute ist “die beste Website” oder “die beste App” sehr hĂ€ufig die, die sich am besten vermarkten lĂ€sst, publikumswirksam, hĂŒbsch anzusehen und mit dem nötigen Kleingeld dahinter. MĂŒsste heute nicht die beste Website etwas anderes sein? Die vielleicht, die am meisten fĂŒr den Nachwuchs der Branche geleistet hat? Oder jene, die den Menschen am meisten Zeit gespart hat, oder am meisten Freude bereitet? Oder vielleicht jene, die am stĂ€rksten soziale Gerechtigkeit gefördert, am stĂ€rksten etwas getan hat gegen Diskriminierung? Oder wĂ€re die beste App jene, die am meisten gegen die Klimaerhitzung wirkt? Die Award-Landschaft wird sich diesen Fragen stellen mĂŒssen, wenn sie an Relevanz nicht verlieren will. Und die fĂŒr die Awards eingebenden Auftraggeber und Agenturen ebenso.


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