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Gelebte Nachhaltigkeit

  • Jenny Zehnder

Dieses Interview wurde ursprĂŒnglich auf myclimate publiziert.

Liip gehört zu den fĂŒhrenden Schweizer Unternehmen in der Umsetzung individueller Web- und Mobile-Anwendungen. Knapp 160 Mitarbeitende in ZĂŒrich, Freiburg, Lausanne, St.Gallen und Bern entwickeln massgeschneiderte digitale Lösungen fĂŒr Unternehmen wie Migros, Raiffeisen oder die Bundesbehörden. Durch umfassende Massnahmen, die schon bei der Standortwahl beginnen und die Mitarbeitenden stark einbeziehen, hĂ€lt Liip den eigenen CO2-Fussabdruck auf dem kleinstmöglichen Niveau. Gerhard Andrey, MitgrĂŒnder von Liip, sieht im GesprĂ€ch mit myclimate grosse, ungenutzte Potenziale bei Schweizer Unternehmen.

Herr Andrey, was bedeutet der Name «Liip»?

Liip kommt aus dem Althochdeutschen und heisst «Leben». Der Name klingt in der Aussprache wie das englische Wort «leap», was so viel wie «Satz» oder «Sprung» bedeutet. Beides passt bestens zu uns, denn wir sehen uns als lebendige, einer progressiven und nachhaltigen Welt verpflichtete Organisation.

Wie kommt man als Anbieter fĂŒr Weblösungen dazu, sich stark in der Nachhaltigkeit zu engagieren?

Seit Beginn unserer GeschĂ€ftstĂ€tigkeit war uns GrĂŒnderinnen und GrĂŒndern klar, dass wir als Unternehmen auch gesellschaftliche Verantwortung tragen und diese aktiv wahrnehmen wollen. Aus diesem Grund versuchen wir seit jeher, die drei Aspekte der Nachhaltigkeit zu vereinbaren: Das Soziale, Ökologische und Ökonomische.

Sie haben innerhalb Ihres Unternehmens umwelt- und klimafreundliche Massnahmen schon in vielen Bereichen konsequent umgesetzt. Welche Bereiche bereiten Ihnen heute noch die grössten Bauchschmerzen?

Als Mieter von BĂŒrorĂ€umlichkeiten sind wir von den regionalen ImmobilienmĂ€rkten abhĂ€ngig. An einigen Standorten haben wir faktisch keine andere Wahl, als nicht dem Stand der Technik entsprechende GebĂ€ude zu beziehen und zum Teil sogar noch mit Erdöl heizen zu mĂŒssen. Das ist frustrierend. Wir könnten zwar aus den schlecht sanierten Stadtzentren in Zonen ausserhalb der StĂ€dte in zeitgemĂ€sse Objekte umsiedeln. Das wĂŒrde aber unsere Anstrengungen in der MobilitĂ€t zunichte machen.

Ich wĂŒnschte mir, dass die Politik Anreize der Zersiedlung reduziert und dafĂŒr motiviert, die Stadtzentren auf Vordermann zu bringen. Denn alleine mit «gut Zureden» bei den Besitzern kommen wir nicht sehr weit. Genau fĂŒr diese – fĂŒr uns nicht wirklich beeinflussbaren – Emissionen sind wir froh um myclimate. Ohne Möglichkeit der Klimakompensation wĂ€ren uns in diesen FĂ€llen die HĂ€nde gebunden, ĂŒberhaupt etwas zu unternehmen.

Wo sehen Sie im Vergleich noch Potenziale fĂŒr mehr Umwelt- und Klimabewusstsein bei Unternehmen in der Schweiz?

Gerade bei der MobilitĂ€t gibt es enorm Potenzial. Ich bin immer wieder erstaunt, wie traditionell die meisten Firmen agieren, wenn es um den Arbeitsweg geht. Es scheint fĂŒr sehr viele Organisationen und auch Mitarbeitende immer noch völlig normal, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren und dort einen Parkplatz vorzufinden. Das hat enorme Konsequenzen fĂŒr den Landverbrauch und generiert immense schĂ€dliche Immissionen.

Wir gehen dieses Thema sehr konsequent an. Liip offeriert keine ParkplĂ€tze fĂŒr Autos, subventioniert dagegen FahrrĂ€der und den ÖV mit Halbtax-Abos und zum Teil auch GAs. Deshalb werden derzeit gemĂ€ss einer kĂŒrzlich durchgefĂŒhrten Umfrage ungefĂ€hr 95% aller Arbeitswege unserer Mitarbeitenden mit Langsamverkehr oder ÖV zurĂŒckgelegt. Bei knapp 160 Personen schenkt das richtig ein.

Und auch was die MobilitĂ€t fĂŒr die Arbeit angeht: Wir haben in eine Topinfrastruktur fĂŒr Videokonferenzen investiert. So können wir auf viele Fahrten verzichten und ĂŒber die Standorte hinweg oder auch angenehm von zu Hause aus Sitzungen abhalten. Das ist nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch vorteilhaft. Auf Flugverkehr verzichten wir gĂ€nzlich. Unsere GeschĂ€ftstĂ€tigkeit beschrĂ€nkt sich auf den Schweizer Markt. Unsere Leute gehen meist nur fĂŒr Weiterbildungen oder Konferenzen ins Ausland. Und da ist die Regel einfach: Es werden keine Flugkosten, dafĂŒr jedoch die meist teureren Kosten der Zugfahrt von der Firma ĂŒbernommen.

Inwiefern wird Ihr Fokus auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit auch von Ihren Kunden wahrgenommen? Gibt es einen Einfluss auf die Vergabe von AuftrÀgen?

Es gibt immer mal wieder Kunden, die explizit deswegen zu uns kommen. Und ich bin ĂŒberzeugt, dass diese Themen kĂŒnftig in der Auswahl des Anbieters wichtiger werden. Unsere Bestrebungen hin zu mehr Nachhaltigkeit erhalten wir aufrecht. Denn wir sind ĂŒberzeugt, auf lange Sicht die FrĂŒchte davon ernten zu können; sei dies direkt als Firma aber ganz sicher als Individuen unserer Gesellschaft.

Im Jahr 2013 wurde Liip fĂŒr ihr arbeitnehmer-, familien- und nicht zuletzt klimafreundliches Engagement mit dem Nachhaltigkeitspreis der ZKB ausgezeichnet. Seit der GrĂŒndung im Jahr 2007 kompensiert die Liip die eigenen Unternehmensemissionen mit myclimate myclimate.


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