Lösungen für echte Probleme finden und die Finanzierung sichern, bevor man mit dem Entwickeln beginnt

  • Thomas Botton

Die Vorgehensweise bei The A-Coach bestand darin, konkrete Kunden zu finden, die sich zur Finanzierung verpflichten, und erst danach mit der eigentlichen Produktentwicklung zu beginnen.

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Liebe das Problem, nicht die Lösung

Innerhalb von nur fĂŒnf Monaten wurde das Minimum Viable Product (MVP) mit wenig Geld, aber umso grösserer Wirkung entwickelt. Wie das ging? Mit dem Lean-Startup-Ansatz. Shari, eine ehemalige HR-Managerin aus der Privatwirtschaft, kam mit einer Idee auf uns zu. Sie wollte einen Marktplatz fĂŒr Menschen aufbauen, die fĂŒr ihre berufliche TĂ€tigkeit einen Coach benötigen – eine Online-Coaching-Plattform. Wir haben rasch gemerkt, dass Shari hohe Ziele setzt und weit voraus denkt. Schon beim ersten Treffen hatte sie jede Menge Funktionen im Sinn. Als ich ihr zuhörte, dachte der Ingenieur in mir bereits an eine Vielzahl technischer Tools, die wir einfĂŒhren könnten. Mein Kollege JĂ©rĂ©mie, ein UX-Spezialist, entwarf in seinem Kopf bereits zahlreiche Wireframes und Designs. Das Projekt, das wir uns ausmalten, war mehrere hunderttausend Franken wert und verfĂŒgte aus technischer Sicht ĂŒber viele innovative Features.

Da wir uns jedoch unserer beruflichen Voreingenommenheit bewusst waren, machten wir einen Schritt zurĂŒck und schlugen einen objektiven Prozess vor, um Sharis GeschĂ€ftshypothese zu testen: zuerst mit echten potenziellen Kund*innen sprechen und erst mit der eigentlichen Entwicklung beginnen, wenn ein Vertrag unterzeichnet ist.
Das haben wir dann auch gemacht.

Wie man herausfinden kann, was der Markt braucht

Leanstack (gegründet von Ash Maurya) ist das Tool, mit dem wir all ihre GeschĂ€ftsideen entwickelt haben – aufgeteilt in sieben Lean-Canvas-Feldern. Es gibt viele Möglichkeiten, mit dem Canvas-Ansatz zu arbeiten. Dabei ist die Methodologie bei weitem nicht so wichtig wie das Mindset. Und wir von Liip wollen digitale Produkte bereitstellen, die deine Nutzer lieben werden. Nachdem wir uns all diese Canvases angesehen hatten, war es an der Zeit, die Ideen in der Praxis zu testen. Im Rahmen von etwa 20 Interviews mit potenziellen Kund*innen passte Shari ihr GeschĂ€ftsmodell so lange an, bis jemand unter den Interessent*innen meinte: «Habt ihr eine Lösung fĂŒr dieses Problem? Wenn ja, möchte ich sie als Erstes testen!» NatĂŒrlich sind wir von Liip spezialisiert auf die DurchfĂŒhrung unvoreingenommener und objektiver Nutzerinterviews. Es war toll, dass wir schon vor der eigentlichen Entwicklung einer Lösung wussten, was der Markt braucht.

«Liebe das Problem, nicht die Lösung»

Zuerst der MVP, dann die Skalierung

Mit diesen Informationen aus der Praxis ausgerĂŒstet, haben wir einen hochwertigen, klickbaren Prototypen gebaut. Wir haben nicht mit einer massgeschneiderten Entwicklung begonnen, sondern mit SaaS-Lösungen in weniger als einer Woche ein funktionsfĂ€higes MVP geschaffen. Anstatt zweihunderttausend Franken fĂŒr eine schicke Website auszugeben, konzentrierten wir uns auf die «Must-haves» des Produkts. Dann gingen wir wieder auf zwei Interessent*innen zu, die beide bereits an Bord waren, bevor wir ĂŒberhaupt etwas entwickelt hatten. Shari hatte nun herausgefunden, dass ihr Produkt aus unternehmerischer Sicht marktfĂ€hig war, bevor sie viel Geld investiert hatte.

Mit massgeschneiderter Entwicklung zum Erfolg

Als alle BedĂŒrfnisse in der MVP-Phase erfasst waren, begannen wir damit, die massgeschneiderte Plattform zu bauen. Nun war es an der Zeit, Geld in weitere Features zu investieren, da ja bereits klar war, dass es einen Markt fĂŒr das Produkt gibt. NatĂŒrlich war der Weg vom MVP bis zur endgĂŒltigen Plattform noch weit. Die the Plattform entwickelten wir mithilfe von Python und Django. Damit können Mitarbeiter*innen von Unternehmen sofort Coaches fĂŒr bezahlte oder auch kostenlose Sitzungen buchen. Wie ĂŒblich hatten wir technische Herausforderungen zu meistern, doch innerhalb weniger Monate war die Website einsatzbereit.

Die beiden neuen Kund*innen, Unternehmen mit mehreren Tausend Mitarbeiter*innen, konnten wir dann bereits bei der ersten Nutzung der Plattform ĂŒberzeugen. Man könnte meinen, dass dies ja naheliegend ist, schliesslich waren sie bereits an Bord, als sie den klickbaren Prototypen gesehen hatten. Aber genau diese Entwicklungsphase einer digitalen Anwendung ist entscheidend fĂŒr den Erfolg eines Produkts. The A-Coach zĂ€hlt inzwischen ein Dutzend Kunden, Tendenz steigend.


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