Vor etwas weniger als einem Jahr haben wir den ConfIAnce-Chatbot vorgestellt. Im Auftrag der Genfer UniversitĂ€tskliniken (HUG) haben wir diesen Conversational Agent entwickelt, um einen einfachen und interaktiven Zugang zu medizinischen Informationen ĂŒber hĂ€ufige chronische Krankheiten zu ermöglichen. Die Inhalte werden von der medizinischen Institution selbst erstellt und validiert.
Ein Artikel der Initiator*innen dieses Projekts, veröffentlicht in der neuesten Ausgabe der renommierten Revue Médicale Suisse, zieht nun eine erste Bilanz ein Jahr nach der öffentlichen Lancierung.

Ein offizieller Chatbot statt fehlerhafter Antworten online
Die medizinische Grundversorgung, ein zentraler Pfeiler eines funktionierenden Gesundheitssystems, steht zunehmend unter Druck, selbst in StÀdten. Wenn Patient*innen ihre HausÀrzt*innen nicht schnell erreichen können, suchen sie oft im Internet nach Antworten. Die Informationen, die sie dort finden, sind jedoch hÀufig ungenau oder sogar potenziell gefÀhrlich.
In diesem Kontext kann eine gut konzipierte KI-Lösung helfen, die richtige Information zur richtigen Zeit bereitzustellen.
Deshalb haben wir die HUG bei der Entwicklung eines RAG-basierten Chatbots (Retrieval Augmented Generation) unterstĂŒtzt. ConfIAnce ist nicht der erste Chatbot fĂŒr Patient*innen. Er unterscheidet sich jedoch durch seine institutionelle Verankerung, die Nutzung lokal validierter medizinischer Inhalte sowie durch Kontrollmechanismen, die die ZuverlĂ€ssigkeit der Antworten sicherstellen.
Um Sicherheit zu gewĂ€hrleisten, integriert das System mehrere Kontrollmechanismen, darunter Matching, Groundedness-PrĂŒfungen, Harmfulness-Checks, automatisierte Tests und semantisches Routing.
QualitÀtssicherung durch Kontrolle des Systems
Eine zentrale Herausforderung besteht darin, die Kontrolle ĂŒber das System zu behalten. DafĂŒr braucht es geeignete Monitoring-Funktionen.
Automatisierte Tests prĂŒfen sĂ€mtliche Antworten des Chatbots auf ihre faktische Ăbereinstimmung mit der Wissensbasis (Faithfulness).
ZusĂ€tzlich sorgt ein von Administrator*innen anpassbares Routing dafĂŒr, dass Fragen gefiltert und bei Bedarf unter menschlicher Aufsicht weitergeleitet werden. Sie können den Chatbot zudem sofort offline nehmen, falls ein Fehlverhalten vermutet wird.
Themen, ĂŒber die hĂ€ufig gefragt wird, aber in den Ausgangsdokumenten noch wenig behandelt werden, werden identifiziert und weiter ausgebaut. So wird die Wissensbasis im Rahmen eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses erweitert.
Selbst das beste Tool bringt nur etwas, wenn es genutzt wird
Damit Patient*innen den Chatbot tatsÀchlich verwenden, haben die HUG eine öffentliche Informationskampagne gestartet. Ziel war es, das Tool bekannt zu machen und gleichzeitig realistische Erwartungen zu setzen.
ConfIAnce ist kein medizinisches GerÀt und ersetzt keinen Arztbesuch. Vielmehr ist er ein Informationsangebot, das Fragen zu den hÀufigsten chronischen Erkrankungen bei Erwachsenen beantwortet.
Im Februar 2025 ging ConfIAnce in der Beta-Version online. Zwischen Anfang Februar und Ende Oktober 2025 haben *3â823 Nutzerinnen mit dem Chatbot interagiert. Daraus entstanden 5â969 GesprĂ€che und 11â781 Fragen**, im Durchschnitt etwa zwei Fragen pro GesprĂ€ch.
Die direkt im Chatbot abgegebenen RĂŒckmeldungen sind zu 75 % positiv.
Hohe Akzeptanz fĂŒr einen etwas anderen Chatbot
Chatbots im Gesundheitsbereich werden von Patient*innen meist gut angenommen, vor allem wegen ihrer stĂ€ndigen VerfĂŒgbarkeit und der einfachen Nutzung. Studien zeigen jedoch auch wiederkehrende Probleme: eine uneinheitliche QualitĂ€t der Antworten sowie mangelnde Transparenz bei den verwendeten Quellen.
Genau hier unterscheidet sich ConfIAnce von vielen anderen medizinischen Chatbots.
Der Chatbot wurde entwickelt, um die Beziehung zwischen Patientinnen und Ărzt\innen zu unterstĂŒtzen, nicht zu ersetzen. ConfIAnce entlastet Ărzt*innen in der Grundversorgung und schafft ihnen mehr Zeit fĂŒr die menschliche Seite ihres Berufs.
Die Autor*innen des Artikels in der Revue Médicale Suisse betonen zudem, dass ein Chatbot, der im spezifischen Kontext der HUG und ihrer Informationsbasis entwickelt wurde, auch in anderen institutionellen Umgebungen eingesetzt werden könnte.
Damit ein solches Projekt erfolgreich ist, braucht es zunĂ€chst hochwertige Daten, wie sie hier zur VerfĂŒgung standen. DarĂŒber hinaus ermöglichen Kontrollmechanismen, automatisierte Tests und Nutzer*innen-Feedback eine kontinuierliche Verbesserung â und sorgen fĂŒr Sicherheit und Relevanz, die Vertrauen schaffen.