WordPress-Community Schweiz trifft sich zum Wordcamp

WordPress ist die beliebteste Web-Software ĂŒberhaupt. Ihr grösstes Kapital ist die Community – und die fachsimpelt nicht nur virtuell -global. Am 18. und 19. September trifft sie sich im ZĂŒrcher Technopark zum Wordcamp.

WordPress ist die beliebteste Web-Software ĂŒberhaupt. Ihr grösstes Kapital ist die Community – und die fachsimpelt nicht nur virtuell -global. Am 18. und 19. September trifft sie sich im ZĂŒrcher Technopark zum Wordcamp.

Dank WordPress können seit ĂŒber einem Jahrzehnt auch Laien akzeptabel aussehende Websites erstellen. Die quelloffene Software ist kostenlos und kann relativ einfach installiert sowie an die eigenen BedĂŒrfnisse angepasst werden. So einfach, dass mittlerweile weltweit mehr als die HĂ€lfte aller Websites, die mithilfe eines CMS erstellt worden sind, auf WordPress basieren.

Pascal Birchler, Mitorganisator des Schweizer Wordcamps 2015, ist kein Laienanwender mehr – obschon auch er WordPress ursprĂŒnglich zum Bloggen entdeckte. Im zarten Alter von zwölf Jahren erstellte er sein erstes Weblog und begann auf diesem immer öfter auch ĂŒber WordPress-Themen zu bloggen. Mittlerweile ist er gelernter Informatiker und arbeitet seit Kurzem fĂŒr die Web-Firma Required, die mit einem Team von sechs Mitarbeitenden fast ausschliesslich Dienstleistungen fĂŒr WordPress anbietet.

Die ProjektauftrĂ€ge von Required zeigen: WordPress ist mehr als ein einfach bedienbares CMS fĂŒr Laien, die Inhalte online stellen wollen. «Man kann sehr wohl komplexe Websites auf WordPress-Basis erstellen: auch wenn die Schweiz diesbezĂŒglich etwas hinterherhinkt», stellt Birchler klar. Neben Corporate Blogs fĂŒr SBB oder Hotelplan hat Required die Software auch fĂŒr Projekte eingesetzt, bei denen sie «lediglich im Hintergrund die FĂ€den zusammenhĂ€lt», so Birchler. Etwa fĂŒr das Portal www.bvbmedia.ch, auf welchem man WerbeflĂ€chen fĂŒr Bus und Tram online testen und buchen kann.

Am zweitĂ€gigen Wordcamp im Technopark kommen sie zusammen, die Anwender und die Software-Entwickler. WĂ€hrend der erste Tag mit Referenten wie Konstantin Obenland (Automattic) oder Petya Raykovska (Human Made) auch fĂŒr Designer und Anwender aller Niveaus neue Insights verspricht, ist der Folgetag den Entwicklern vorbehalten. «Rund ein FĂŒnftel der Teilnehmer erschien jeweils auch am Sonntag», schĂ€tzt Birchler, der bereits die beiden bisherigen Wordcamps in ZĂŒrich mit organisierte. Sowohl fĂŒr Anwender wie auch fĂŒr Entwickler ist es elementar, sich ĂŒber die schnelllebige Software auf dem Laufenden zu halten, deren Plug-in-Landschaft sich aufgrund der aktiven globalen Community fast tĂ€glich Ă€ndert.

Auch grössere Agenturen setzen auf WordPress

Open Source ist nicht mehr die alleinige DomĂ€ne der Kleinen. Auch grössere Webagenturen setzen mittlerweile auf quelloffene Software wie WordPress. Eine von ihnen ist Liip. Die Agentur lĂ€sst ihre Teams jeweils mit entscheiden, auf welche Technologien sie sich spezialisieren wollen. Das 7-köpfige Team, dem Stefan Oderbolz angehört, entschied sich vor einem halben Jahr fĂŒr WordPress. Im Unterschied zu Birchler bezeichnet Oderbolz WordPress jedoch als «Lightweight-CMS»: Die Installation und das Hosting seien einfach, die Kunden allerdings eher im KMU-Bereich.

An Grenzen stosse WordPress zum Beispiel bei komplexen Berechtigungen oder der Integration von mehreren externen Systemen, die grosse Datenmengen einspielen mĂŒssen. «Auch kommt es vor, dass andere Systeme etwas von Haus aus können, was man fĂŒr WordPress erst entwickeln mĂŒsste. Das lohnt sich nicht immer.» Entsprechend werde sein Team nur fĂŒr Projekte eingesetzt, die sich bezĂŒglich Grösse, KomplexitĂ€t und Art des Kunden fĂŒr WordPress eignen.

Wordcamp- Organisator Birchler gibt jedoch zu bedenken, dass Open Source auch darum oft den KĂŒrzeren ziehe, weil die Agenturen kein Interesse daran haben, eine quelloffene Lösung zu empfehlen – und nicht, weil diese den Anforderungen nicht genĂŒgen wĂŒrde: «Die meisten Webagenturen setzen lieber auf grosse proprietĂ€re Systeme wie Adobe Experience Manager, weil sie dann der einzige Ansprechpartner sind und langfristige WartungsvertrĂ€ge abschliessen können.» Die im FrĂŒhjahr 2015 veröffentlichte Open-Source-Studie der UniversitĂ€t Bern gibt Birchler insofern recht, als dass die Studienverfasser im Open-Source-Bereich noch viel ungenutztes Potenzial ausmachen (siehe Studie unten).

Der Community-Gedanke ist zentral

Kleinen Web-Firmen kommen das grosse Netzwerk und die Community-orientierte Arbeitsweise besonders zugute – «weil man nicht alles alleine weiterentwickeln muss und sich stĂ€rker aufs Umsetzen einer Website konzentrieren kann», erklĂ€rt Birchler. Bei seinem Arbeitgeber Required will man andere Webagenturen darum nicht als Konkurrenz verstanden wissen. «Man profitiert davon, zusammenzuarbeiten und StĂ€rken zu ergĂ€nzen.» Entsprechend hoch ist die Verbundenheit mit der Community, das Geben und Nehmen fest im Denken verankert: «Ich finde es schade, wenn man mit WordPress Geld verdient und der Community nichts zurĂŒckgibt», sagt Birchler.

Aber auch Liip als grössere Webagentur kultiviert den Community- Gedanken. Einige Mitarbeiter verfĂŒgen offiziell ĂŒber sogenannte «Open-Source-Budgets», die es ihnen erlauben, einen Teil ihrer Arbeitszeit in die Community-Arbeit zu investieren. Die GrĂŒnde sind vielfĂ€ltig. «Es ist den Mitarbeitern wichtig, etwas zurĂŒckzugeben, und es macht Spass, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen», so Oderbolz, der ebenfalls am Wordcamp teilnehmen wird. Nicht zuletzt sei es manchmal «nur die Community, die einem aus der Patsche helfen kann».

Über WordPress

WordPress verpflichtet sich der General Public License. Das bedeutet, dass alle Anpassungen an der quelloffenen Software unter der gleichen Lizenz, also ebenfalls quelloffen, weitergegeben werden mĂŒssen. Ins Leben gerufen wurde WordPress 2003 von Matt Mullenweg und Mike Little, die erste stabile Version erschien Anfang 2004.

Dass die Software von jedem verwendet werden kann, bedeutet nicht, dass man mit WordPress kein Geld verdienen kann. Da gibt es zum Beispiel das GeschĂ€ftsmodell von Automattic, Betreiber des Portals www.wordpress.com, welches Matt Mullenweg gehört. Dort wird nicht nur Software, sondern auch Platz auf dem Webserver zur VerfĂŒgung gestellt. Das Grundangebot ist dabei meist gratis, fĂŒr Zusatzfunktionen wie mehr Speicherplatz oder schnelleren Support verlangt Automattic hingegen Geld. Der Wert von Automattic wird auf eine Milliarde US-Dollar geschĂ€tzt.

UnzĂ€hlige Firmen entwickeln ausserdem kostenpflichtige Themes (Website-Vorlagen) oder Plug-ins (erweiterte Funktionen oder Dienste), die sie auf diversen Portalen zum Kauf anbieten. Quelloffenheit gilt nĂ€mlich nicht zwingend fĂŒr Themes und Plug-ins, auch wenn es viele Entwickler gibt, die ihre Codes offenlegen. Eines der erfolgreichsten PI ug-ins ist die Online-Shop-Lösung WooCommerce. Heute lĂ€uft etwa jeder dritte Online-Shop mit diesem Plug-in. Es ist sogar kostenlos – verdient wird mit separaten Erweiterungspaketen. Dieses Jahr wurde die Firma WooThemes, die das PI ug-in entwickelt hat, fĂŒr schĂ€tzungsweise 30 Millionen US-Dollar von Automattic aufgekauft.

Veröffentlicht in: Werbewoche 16


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