Nutzen zeigt sich in der Anwendung Open DataNächster Artikel

Am Anfang des Internets stand der Antrieb, Wissen auszutauschen, dann kam die Kommunikation zwischen Menschen dazu. Immer ging es um Daten. Mittlerweile sind die Datenbanken gewachsen. Aber wer darf die Daten nutzen? Open-Data-Anwendungen schaffen eine neue Wertschöpfung – für Bürger wie Konsumenten.

Staaten sammeln Daten aufgrund eines politischen Auftrags und stützen sich auf eine gesetzliche Grundlage. Wer das Nutzungsrecht für diese Daten hat, ist somit einfach zu beantworten: die Allgemeinheit. Wir alle finanzieren ihre Erhebung, Pflege und Publikation mit unseren Steuergeldern und allerlei Gebühren. Nicht nur die Gebührenpflicht, sondern auch die für die automatisierte Verarbeitung oft ungeeignete Aufbereitung der Daten verhindert Innovation.

Forderung nach Open Government Data

Der Open-Data-Ansatz fordert einen offenen Zugang der Allgemeinheit zu Regierungs- und Verwaltungsdaten. Das etwas unangenehme Gefühl, das uns bei dieser Vorstellung vielleicht beschleicht, relativiert sich mit der Feststellung, dass es sich im Fall von Open Government Data weder um personenbezogene noch um sicherheitsrelevante Daten handelt. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung als Bürger, Konsumenten, aber auch als ICT-Angestellte wie -Unternehmer, dass auch in der Schweiz die Behörden schon heute eine Unmenge von Daten ins Web stellen.

Die Veröffentlichung geschieht jedoch vielfach in Form von Dokumenten, den digitalen Pendants zu den Papierakten von früher. Zwar sind diese durchsuchbar, wie unbefriedigend die Suchresultate aber sein können, hat wohl jeder von uns schon erfahren. Der Open-Data-Bewegung geht es aber nicht nur um die Möglichkeit, Behördendaten einfacher zu durchsuchen, sondern um deren Wiederverwendbarkeit für Allgemeinheit und Wirtschaft. Was die Bewegung fordert, ist ein offener Zugang zu Daten in maschinenlesbarer Form. Erst diese Befreiung der Daten aus ihren meist unzugänglichen Speichern ermöglicht eine neue, in ihrem Ausmass beträchtliche Wertschöpfung.

In angelsächsischen Ländern, zunehmend aber auch in Kontinentaleuropa, haben Regierungen den «Open-Data-Weg» bewusst eingeschlagen, weil sie den Nutzen erkannt haben. Mit Open Data schaffen sie Transparenz und Innovation und erzielen Kosteneinsparungen. In der Schweiz stehen wir auf der politischen Ebene am Anfang dieses Wegs. Das technologische, gesellschaftliche und nicht zuletzt auch das wirtschaftliche Innovationspotenzial rechtfertigt es, dass Behörden und Zivilgesellschaft ihn gemeinsam einschlagen.

Grosses wirtschaftliches Innovationspotenzial

Der wirtschaftliche Nutzen von Open Data liegt insbesondere in zwei Bereichen: erstens im Aufbau neuer Modelle von Journalismus auf der Basis von Datenanalyse, Dateninterpretation und Datenvisualisierung. Medienverlage im angelsächsischen Raum spielen hier die klare Vorreiterrolle, wie etwa der «Guardian» in Grossbritannien, um nur ein Beispiel zu nennen. Zweitens besteht ein immenses Potenzial in der Entwicklung von Applikationen, die Open Data für die verschiedensten Lebensbereiche und Lebenssituationen nutzbar machen.

Während die Wertschöpfung im Falle des Datenjournalismus primär den Medienverlagen zugute kommt, können im Applikationsbereich viele verschiedene Akteure profitieren. Die Wertschöpfung auf der Basis offener, maschinenlesbarer Daten ist umso grösser, weil die zu tätigenden Investitionen für die Applikationsentwickler, ihre Auftraggeber wie für die Nutzer tief sind. Zudem werden Wettbewerbsverzerrungen überwunden, weil kleine wie grosse Wiederverwender der Daten gleich lange Spiesse haben.

Open Data als Ressource neuerAnwendungen

Die Vision ist, Daten für alle kostenlos zugänglich zu machen: Darunter fallen unter anderen Mobilitäts-, Umwelt-, Gesundheits- und Infrastrukturdaten. Ihre wechselseitige Verknüpfung bildet ein immenses Feld an Möglichkeiten für innovative Applikationen und Visualisierungen, die sowohl durch ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen wie auch durch ihre Eindrücklichkeit die Anbieter, Anwender und Konsumenten zu begeistern vermögen.

In diesem Bewusstsein wagt sich in diesem Jahr mit Zürich die erste grosse Schweizer Stadt daran, mit einem eigenen Datenportal den notwendigen Zugang zu schaffen. Weitere Städte, Kantone wie auch der Bund werden folgen. Dass die Zeit für Open Data auch in der Schweiz reif ist, beweist das wachsende, positive Interesse von Behörden und Zivilgesellschaft für das Thema.

Veröffentlicht in: ICT-Jahrbuch 2012 © Netzmedien AG

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